7 Tipps für Familien von MS-Angehörigen
Die Diagnose Multiple Sklerose (MS) stellt den Alltag oft auf den Kopf: Körperliche und geistige Fähigkeiten können von Tag zu Tag schwanken. Das betrifft nicht nur die Betroffenen, sondern die ganze Familie. Eine liebevolle, gut organisierte Unterstützung zu Hause ist entscheidend, um das Leben mit MS gemeinsam gut zu gestalten.
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Viele Angehörige wollen „alles richtig machen“ – und fühlen sich dabei schnell überfordert. Die folgenden sieben Tipps sollen Ihnen helfen, Ihren Alltag mit MS ein Stück gelassener und bewusster zu gestalten.
1. Informieren Sie sich - am besten gemeinsam
Je mehr Sie über MS wissen, desto besser können Sie einordnen, was passiert – und was nicht. Informieren Sie sich bei vertrauenswürdigen Quellen, wie Ärzt:innen, MS-Gesellschaften oder auf seriösen Webseiten. Besonders wertvoll ist es, wenn Sie die Informationssuche gemeinsam mit der betroffenen Person gestalten: So schaffen Sie eine offene Gesprächsbasis, stärken das gegenseitige Verständnis und verhindern, dass unbegründete Sorgen oder Unsicherheiten aufkommen. Nehmen Sie sich gemeinsam Zeit, Fragen zu sammeln oder Unklarheiten direkt bei Fachpersonen anzusprechen. Dieses gemeinsame Lernen kann helfen, Missverständnisse zu vermeiden und mehr Sicherheit im Alltag zu gewinnen.
2. Fragen Sie nach und hören Sie zu
Statt zu raten, was Ihr Angehöriger oder Ihre Angehörige braucht, fragen Sie direkt: „Wie geht es dir heute?“ oder „Was würde dir gerade helfen?“ Ehrliches, echtes Interesse ist hier entscheidend. Achten Sie darauf, aufmerksam zuzuhören – ohne zu relativieren („So schlimm ist es doch nicht“) oder vorschnell Lösungen anzubieten. Geben Sie Raum für Gefühle und akzeptieren Sie auch Stille, Unsicherheit oder das Bedürfnis nach Rückzug. Oft besteht die grösste Unterstützung darin, präsent zu sein, auszuhalten, empathisch zu begleiten und zu zeigen: „Du bist nicht allein, ich bin für dich da.“ Schon durch diese Wertschätzung und das gelassene Mitfühlen schaffen Sie ein Gefühl von Geborgenheit und Vertrauen, das im gemeinsamen Alltag eine wichtige Kraftquelle sein kann.
3. Den Alltag gemeinsam neu organisieren
MS kann dazu führen, dass alltägliche Aufgaben schwerer werden – besonders bei Fatigue, Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen. Gehen Sie gemeinsam den Alltag durch: Was gelingt der betroffenen Person noch gut, wo helfen kleine Anpassungen, und was kann von anderen übernommen werden? Überlegen Sie zusammen, welche Aufgaben sich vereinfachen oder aufteilen lassen. Unterstützung durch Familie, Freund:innen oder professionelle Dienste wie SpitexCare entlastet – regelmässig oder in schwierigen Phasen. Eine offene Aufgabenverteilung nimmt Druck, macht Belastungen sichtbar und verhindert, dass einzelne sich überfordern. So bleibt jeder entsprechend seiner Möglichkeiten aktiv und einbezogen.
4. Selbstständigkeit unterstützen
Unterstützung heisst nicht, alles abzunehmen. Fragen Sie stattdessen: „Möchtest du, dass ich das für dich übernehme, oder willst du es selbst probieren?“ Hilfsmittel, angepasste Abläufe und kleine Pausen ermöglichen oft, vieles weiterhin eigenständig zu tun. Das stärkt das Selbstwertgefühl der betroffenen Person – und entlastet Sie als Angehörige langfristig. Sie als Angehörige.
5. Flexibel bleiben mit Plänen
MS verläuft oft unvorhersehbar: Was heute gut geht, kann morgen zu viel sein. Planen Sie deshalb bewusst mit einem „Puffer“. Treffen Sie sich möglichst an Orten, an denen man sich hinsetzen oder sich bei Bedarf zurückziehen kann. Achten Sie auf kürzere Wege, nutzen Sie wenn möglich Fahrdienste und bauen Sie Pausen ein. Haben Sie Verständnis, wenn kurzfristig abgesagt werden muss – ein spontaner Energieeinbruch ist bei MS keine Seltenheit. Ein „Kein Stress, wir verschieben das einfach“ nimmt in solchen Momenten viel Druck und zeigt, dass Beziehung und Wohlbefinden wichtiger sind als fixe Pläne.
6. Achten Sie auf sich selbst
Angehörige sind häufig rund um die Uhr im Einsatz – emotional und ganz praktisch. Vergessen Sie dabei Ihre eigenen Bedürfnisse nicht: Gönnen Sie sich Auszeiten ohne schlechtes Gewissen, pflegen Sie Ihre eigenen Kontakte, Hobbys und Ruhezeiten und sprechen Sie über Ihre Belastung – mit Freund:innen, Familie oder Beratungsstellen. Nur wer auf sich selbst achtet, kann auf Dauer für andere da sein.
7. Holen Sie sich Unterstützung von aussen
Niemand muss die Situation allein bewältigen. Es gibt vielfältige Angebote und Anlaufstellen, die Sie entlasten können: MS-Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen für Betroffene und Angehörige bieten Raum für Austausch, Information und Verständnis. Wenn die Belastung sehr gross wird, kann psychologische Unterstützung helfen, Gefühle zu sortieren, neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln und Erschöpfung vorzubeugen.
Zusätzlich stehen soziale Dienste, Pflegeangebote zu Hause sowie Entlastungsdienste zur Verfügung, die Sie im Alltag konkret unterstützen – sei es durch Hilfe im Haushalt, bei der Körperpflege oder durch stundenweise Ablösung, damit Sie zur Ruhe kommen können. Der Austausch mit Menschen in ähnlichen Situationen kann dabei besonders wohltuend sein: Zu hören, wie andere mit ähnlichen Herausforderungen umgehen, entlastet, nimmt das Gefühl der Isolation und bringt oft praktische Ideen für den Alltag, die Sie Schritt für Schritt ausprobieren können.
Gemeinsam Wege finden
MS verändert das Leben – für Betroffene und für ihre Familien. Doch Sie sind dem nicht ausgeliefert: Mit Wissen, offener Kommunikation, klarer Aufgabenteilung, Flexibilität und Unterstützung von aussen können Sie gemeinsam Wege finden, damit das Leben zu Hause trotz MS lebenswert und verbunden bleibt.